„Man kann sich gegenseitig stützen.“
Britta Wulf stand als Mutter zweier kleiner Kinder mitten im Leben, als bei ihr der Brustkrebs entdeckt wurde. Trotz aller Herausforderungen hat sie nie den Blick auf das, was ihr gut tut, verloren. Ihre Erfahrungen, die Liebe zur Bewegung und ihre positive Energie gibt sie an andere Betroffene weiter.
Britta Wulf stand als Mutter zweier kleiner Kinder mitten im Leben, als bei ihr der Brustkrebs entdeckt wurde. Trotz aller Herausforderungen hat sie nie den Blick auf das, was ihr gut tut, verloren. Ihre Erfahrungen, die Liebe zur Bewegung und ihre positive Energie gibt sie an andere Betroffene weiter.

Frau Wulf, wie wurde Ihr Brustkrebs bemerkt?
Bemerkt wurde mein Tumor zunächst beim Gynäkologen, das war 2013. Auf dem Ultraschallbild konnte man sehen, dass „da etwas ist“. Und nach einer Biopsie war dann auch klar, dass es sich um ein ziemlich aggressives Mammakarzinom handelt. Durch eine Operation konnte es entfernt werden, anschließend erhielt ich eine Chemotherapie und Antikörper. Mittlerweile wird das ja andersherum gemacht: Erst gibt man die Chemo, damit der Tumor schrumpft und damit die Operation anschließend kleiner ausfällt. Zum Glück hatte mein Tumor damals noch nicht gestreut, ich hatte keine Metastasen.
Wer oder was war zum Zeitpunkt der Diagnose die größte Hilfe für Sie?
In der gynäkologisch-onkologischen Praxis und im Brustzentrum, an die ich weiterverwiesen wurde, hatte ich wirklich gute Ärzte, ich fühlte mich gut betreut. Damals gab es leider noch keine sozialen Netzwerke wie heute, d. h. ich kannte niemanden, der in derselben Situation war wie ich und den ich hätte fragen können „Wie machst du das?“. Ich fand es auch nicht einfach, die Sorgen und Ängste meiner Familie auf- oder abzufangen, neben meinen eigenen. Aber mein familiäres und freundschaftliches Umfeld war sehr für mich da. Meine Kinder waren neun und vier Jahre alt, als ich die Krebsdiagnose erhielt. Auch das war hilfreich, denn ich wusste, ich kämpfe auch für sie.
Sie sind nach Diagnose und Therapie recht schnell wieder in Bewegung gekommen.
Wie schafft man das?
Es gab in dieser langen Therapiephase nicht nur schlechte Dinge. Ich hatte das große Glück, einen verständnisvollen und flexiblen Arbeitgeber zu haben; ich war zumindest finanziell abgesichert. Anderthalb Jahre war ich krankgeschrieben, so konnte ich mich ganz auf die Chemotherapie, meine Genesung und auf meine Kinder konzentrieren, das hat mir sehr gutgetan. An Tagen, an denen es mir gut ging, konnte ich spazieren, walken und manchmal auch schon laufen, was mir immer hilft, die vielen Gedanken loszulassen, den Kopf frei zu kriegen. Bewegung hat mir auch geholfen, meine zweite Chemotherapie gut zu vertragen. 2018 kam der Krebs als Narbenrezidiv zurück, aber all meine Blutwerte veränderten sich kaum, obwohl ich erneut behandelt wurde.
Welche Bedeutung kommt für den „Neustart“ nach der Krankheit der Krebs-Selbsthilfe zu?
Der Austausch mit Gleichgesinnten ist das Allerwichtigste. In jedem Krankenhaus gibt es zwar onkologische Stammtische, die zweifelsohne wichtig sind. Aber gerade für eine junge Frau wie mich damals und wie mich heute ist es extrem wichtig, sich mich Menschen im selben Alter, in derselben Lebenssituation, mit denselben Herausforderungen auszutauschen. Man kann sich gegenseitig stützen, das hätte ich mir 2013 so gewünscht.

Es gibt – leider – immer mehr junge Frauen, die an Brustkrebs erkranken. Daher ist aus der anfangs kleinen Selbsthilfegruppe, die ich über einen Aufruf bei Facebook gefunden hatte, nun ein Verein mit wachsendem Zulauf geworden: der Pinke Zitronen e.V. Ich engagiere mich hier, weil ich selbst weiß, wie unglaublich entlastend und bestärkend es wirkt, zu merken, dass man nicht allein ist. Ich gebe auch meine positive Erfahrung mit Bewegung weiter und leite eine Laufgruppe. Wir walken und laufen zusammen, die Pinken Zitronen bieten aber auch Drachenbootpaddeln an.
Außerdem haben wir für Kinder, unsere „LemonKids“, eine Stärkungsgruppe, in der sie mit anderen Kindern die Erkrankung der Eltern altersgerecht verarbeiten können.
Wie hat die Krankheit Sie und Ihre Sicht aufs Leben verändert? Und gibt es einen Rat oder eine Botschaft, die Sie anderen von Krebs Betroffenen mitgeben würden?
Am Anfang denkt man „jetzt genieße ich jeden einzelnen Moment“, aber das verblasst natürlich im Alltag, es ist schlicht nicht immer möglich. Was ich wirklich wichtig für alle finde: Es ist eine Chance, auf die eigene Gesundheit zu achten – und davon haben wir nun mal nur eine. Also geht zu allen Vorsorgen, die es gibt!
Und für Brustkrebs: Tastet euch ab! Gerade im frühen Stadium ist Brustkrebs meist gut heilbar.
Ganz essenziell ist auch, offen mit Krebs umzugehen. Viele – Patientinnen und Patienten und Angehörige gleichermaßen – sind hilflos, weil sie nicht wissen, wie sie sich verhalten sollen. Das kann man ja vorher nicht üben. Daher redet mit euren Lieben darüber, wie sie mit euch umgehen sollen! Kommunikation kann sehr vielen Missverständnissen vorbeugen.